Schneeglöckchen
F. Eberle
Find' ich dich im Frühlingswald
schon so früh, du zierlich Glöckchen;
weht der Wind dir nicht zu kalt,
frierst du nicht im leichten Röckchen?
Mutter sendet mich herauf,
nach dem Lenz mich umzusehen,
und ich schlag' die Augen auf,
stelle kühn mich auf die Zehen.
Hoch in sonnig warmer Luft
hör' die Lerchen ich frohlocken,
atme schon der Veilchen Duft
und erbebe süß erschrocken.
Über Wald und Wiesen keck
seh' ich Stare schnatternd schwirren,
hör' aus dichtem Waldversteck
scheue Turteltauben girren.
Amsellied ertönt im Hag,
und aus jungen Buchenkronen
Kuckucksruf und Finkenschlag,
Primeln blüh'n und Anemonen.
All' ihr Sänger, stimmet ein!
Hell will ich mein Glöckchen läuten:
Frühling, sollst willkommen sein!
Wir begrüßen dich mit Freuden.