Verklungen

F. Eberle

Kaum war der Lenz geboren

im stillen Waldesreich,

da jauchzten alle Sänger

und triumphierten gleich.

Und nur die Rebe dachte,

dass einst die Stunde schlüg',

da man den holden Knaben

betrübt zu Grabe trüg'.

Und wie sie also dachte,

und wie sie also sann,

da sah ich, wie hernieder

ihr eine Träne rann.

Nun naht des Lenzes Ende,

die Rose prangt in Glut,

so schenkt der Lenz der Erde

sein letztes Herzensblut.

Die Nachtigall voll Wehmut

hebt an den letzten Sang,

das ist ein lautes Weinen,

das ist kein Festesklang.

Sie klagt in bangen Tönen,

sie klagt und wird nicht müd',

sie singt in tiefstem Harme

des Lenzes Sterbelied.

Nun ist der Lenz gestorben,

verklungen und verblüht,

und nur in meiner Seele

hallt nach so manches Lied.

So manches Lied vom Lieben,

vom Auseinandergeh'n,

so manches vom Entsagen

und Nimmerwiederseh'n.

Nun ist der Lenz gestorben,

verklungen und verblüht,

und weinend sing' ich eben

sein letztes Abschiedslied.