An Doris

F. Fleischer

Ich denk' an dich, Geliebte!

Im Traume sah' ich dich;

Du standst vor mir, da trübte

Dein sanftes Auge sich.

Du riefst: Geschick, Erbarmen!

O werd, o werd' erweicht,

Und wach' in Daphnis Armen

Mir bald mein Leben leicht!

Du flohst. Und ich erwachte

Schnell aus dem Traum', und sah

Zum Himmel auf, und dachte:

Wärst du doch, Doris, da!

Die Morgenröthe wäre

Dann meinen Blicken schön,

Und froh würd' ich die Heere

Der Sterne schwinden sehn.

In Auen und in Büschen

Würd' uns die Morgenluft

Und junger Thau erfrischen;

Der bunten Blumen Duft

Würd' uns Entzückung strömen,

Der dichte Schattenhain

Uns in die Kühlung nehmen,

Und uns ein Eden sein.

Da wo in sanften Westen

Des Baumes Blüthe schwimmt,

Wo kaumbelaubten Ästen

Ein Sonnenstrahl entglimmt,

Wo von der Klippe nieder

Sich stürzt der Wasserfall

Behorchten wir die Lieder

Der holden Nachtigall.

Jetzt aber bist du ferne!

O kämen meinem Blick

Nur bald die blassen Sterne

Der stillen Nacht zurück!

Dann könnt' ich einsam weinen;

Im Traume würde mir

Vielleicht dein Bild erscheinen:

Ich wäre dann bei dir!