Nein und ja

F. Fleischer

Wenn sich im ungewählten Schwarme

Die Thoren, an des Taumels Arme,

In schwelgendem Geräusch zerstreu'n:

Wird da den Freudewilden Scythen

Der Weisere die Rechte bieten?

Ihr Brüder, Nein! Ihr Brüder, Nein!

Doch wenn ein Jüngling guter Sitte,

Der Freud und Unschuld in der Mitte,

Der Maurer freudig Häuflein sah:

Fühlt er von heil'gen Sympathien

Nicht gleich den vollen Busen glühen?

Ihr Brüder, Ja! ihr Brüder, Ja!

Wenn Habsucht nach Gewinnen eifert,

Und Neid ums Wohl der Andern geifert,

Und Menschen sich ums Glück entzwei'n:

Wird das den edlen Menschen reizen,

Wie sie, nach Flittergold zu geizen?

Ihr Brüder, Nein! ihr Brüder, Nein!

Doch wenn die Welt der Welt uns nützen,

Die Tugend unser Stands uns schützen

Und Menschenglück uns fördern sah!

Erweckte das nicht Proselyten,

Entbrannt die Recht' uns darzubiethen?

Ihr Brüder, Ja! ihr Brüder, Ja!

Von seinen Brüdern sich entfernen,

Und Gras und Wurzeln kauen lernen,

Und voller Stolz unthätig sein;

Sich Wüstenei zur Freistadt wählen,

Das sollt uns Weisheit anbefehlen?

Ihr Brüder, Nein! ihr Brüder, Nein!

Zu seinen Brüdern sich gesellen,

Gesellig sie zufrieden stellen,

Als wären wir für sie nur da,

Als ob Ihr Wohlsein unsers wäre,

Nicht wahr? das ist der Göttin Lehre?

Ihr Brüder, Ja! ihr Brüder, Ja!

So mag denn untern Menschenhaufen

Der Schwärmer mit der Leuchte laufen!

Wir haben hellen Sonnenschein,

Und sollten unter wüsten Buchen

Den Menschen unter Thieren suchen?

Ihr Brüder, Nein! ihr Brüder, Nein!

Beglückt, wer so im Bruderkreise

Als wir, nach unsrer Väter Weise,

Beim Licht der Loge Menschen sah!

Ist's drum nicht Wollust, sich erkühnen,

Dem menschlichen Geschlecht zu dienen?

Ihr Brüder, Ja! ihr Brüder, Ja!