Die Verschwiegenheit

F. Freystädtler

Grabet, Schäfer, in die Rinde

eurer Mädchen Namen ein;

tief und ewig soll Philinde

in mein Herz gegraben sein.

Voll der süßesten Gefühle

sei mein Busen, doch mein Mund

mache nie beim Saitenspiele

ihren wahren Namen kund.

Reizender ist das Vergnügen

in der tiefsten Einsamkeit;

uns're Freuden sind verschwiegen,

ohne Zeugen, ohne Neid.

Selbst den Schwur, den wir geschworen,

flüsterten wir leis' am Bach;

Eifersucht hat tausend Ohren,

Schilf und Bäche plaudern nach.

Wo Philindens Herde weidet,

sieht man nie die meine geh'n;

bei den Mädchen unterscheidet

sie mein Auge kaum als schön.

Unverfärbt hör' ich sie nennen,

sorglos steh' ich, wann sie singt,

und ich schein' ihn nicht zu kennen,

ihren Hund, der auf mich springt.

Schäfer, lernt von feinen Seelen

kalte Worte, kalten Blick;

nicht die Seligkeit erzählen,

sie verschweigen, das ist Glück!

Immer, o Philinde, hülle

unser Bündnis sich in Nacht.

Liebe suchet nur die Stille,

weil sie glücklich ist und macht.

Unbedachtsam überfließet

stets der Tor von seiner Lust,

doch der Klügere verschließet

selbst den Wunsch in seiner Brust.

Rein und heiß sind meine Triebe;

ewig Teure, ich bin dein,

sage dir, dass ich dich liebe -

aber sag' es dir allein!