Der Meermann
F. Füchs
Das Meer ist still, der Mondschein hell,
Das Schiff fährt unter'm Winde schnell.
Mondweiß, ein kecker Münsterbau,
Erglänzen Segel, Mast und Tau,
Und am Verdeck' und hoch am Mast'
Schließt treue Augen sich're Rast.
Da leise taucht es aus der Fluth
Und schlüpft empor wie Schlangenbrut,
Und tastend steigen hier und dort
Am rechten, linken Schiffesbort'
Zwei Hände grün und riesengroß,
Zwei Armen halb im Wasserschooß.
Und matter bäumt sich in die Höh'
Das Schiff -- und höher schäumt die See.
Hier springt und dort ein grüner Quell
Und Plank' um Planke schwindet schnell,
Doch still ist's noch im Schiffesraum --
Noch träumen sie die letzten Traum.
Der Meermann! tönt ein dumpfer Schrei --
Und einer noch -- schon ist's vorbei. --
Schon schlägt die Fluth zum Deckenplan',
Schon bäumt der Kiel sich himmelan --
Und d'rüber hin in grünem Licht'
Erglänzet Meermanns Angesicht. --
Und donnert in den Abgrund dringt
Das Schiff, wie er darauf sie schwingt.
Ein Wimpel ob den Fluthen schwebt,
Ein grüner Arm es schnell begräbt;
Ein Schwimmer ob dem Abgrund kreis't,
Eine grüne Faust ihn niederreißt.
Am Ort des Schiffes Fluthen zieh'n --
Kein Trümmerrest bezeichnet ihn;
Nur Blasen, Geisteraugen bleich --
Nur Schaum zerdrückten Gliedern gleich,
Ein Wölkchen fliegt am Mond' vorbei --
Sein Trauern war's -- schon glänzt er frei!