Das Grab im Busento

F. Gernsheim

Nächtlich am Busento lispeln

bei Cosenza dumpfe Lieder

Aus den Wassern schallt es Antwort,

und in Wirbeln klingt es wider!

Und den Fluß hinauf, hinunter

ziehn die Schatten tapfrer Goten,

Die den Alarich beweinen,

ihres Volkes besten Toten.

Allzufrüh und fern der Heimat

mußten hier sie ihn begraben,

Während noch die Jugendlocken

seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento

reihten sie sich um die Wette,

Um die Strömung abzuleiten,

gruben sie ein frisches Bette

In der wogenleeren Höhlung

wühlten sie empor die Erde,

Senkten tief heinein den Leichnam

mit der Rüstung auf dem Pferde;

Deckten dann mit Erde wieder

ihn und seine stolze Habe,

Daß die hohen Stromgewächse

wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male,

ward der Fluß herbeigezogen,

Mächtig in ihr altes Bette

schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern:

«Schlaf in deinen Heldenehren!

Keines Römers schnöde Habsucht

Soll dir je dein Grab versehren!»

Sangen's, und die Lobgesänge

tönten fort im Gotenheere;

Wälze sie, Busentowelle,

wälze sie von Meer zu Meere!