An ein Abendlüftchen

F. Götzloff

Sei mir gegrüßt aus deinen reinen Höhen,

Du Himmelsluft!

O! säume nicht, mich liebend anzuwehen

Mit süßem Duft!

Es lauscht in dir der hingefloh'nen Zeiten

Geliebtes Bild,

Des Herzens Tausch, die Welt voll Seligkeiten,

Wie du so mild!

Die goldnen ßhren sanken schweigend nieder

Beim Sichelschall;

Da gingen wir und sangen frohe Lieder

Durch Feld und Thal.

Du säuseltest aus blauem ßther nieder

Sanft zu uns hin

Und küßtest uns; - wir küßten froh dich wieder

Mit leichtem Sinn.

Uns war so wohl, con deinem Hauch durchdrungen,

Wie du so leicht,

Und in der Ahndung süßen Traum verschlungen,

Dem keiner gleicht.

Du kehrst zurück zu deiner fernen Quelle -

Woher? Wohin?

Wer weiß es? - So bewegt der Zeiten Welle

Den leichten Sinn.

Ach! fern, ach fern wie deine ßtherschwingen,

Entfloh das Glück,

Und deine leichten stillen Flügel bringen

Es nie zurück!

Statt jener Ruhe, die dein Hauch mir sandte,

Verglimmt das Herz,

Das einst in reger Lebensglut entbrannte,

In stillem Schmerz.

Du kehrst zurück mit himmlischem Gefieder

Im Abendschein;

Und küssest mich mit süßem Atem wieder,

Doch ach! allein!