Ansicht des Lebens
F. Götzloff
Das Schicksal wirft uns mit starker Hand
In die brausenden Fluthen des Lebens.
Ewig schwindet vor uns der Hoffnung Land,
Wir steuern darnach vergebens --
Unter Wünschen, Träumen, Klagen und Schmerz
Zerbricht zuletzt das getäuschte Herz.
Hier gilt nur Stärke, Gewalt und Muth;
Der schwächere Streiter muß sinken --
Der feurige Jüngling wagt Leben und Blut,
Wo Lieben und Ehre winken.
Heil! wer den treuen Freund gewann!
Er schreitet muthig zum Ziele heran.
In den Kampf, den glühenden, schauet er fest;
Ihn macht das Unglück nicht zittern;
Den Freund an die liebende Brust gepreßt,
So kann ihn kein Sturm erschüttern,
Und ob er auch alles rings um ihn entlaubt,
In die Wolken hebt er das freie Haupt.
O Freundschaft, du Göttliche, senke mild
Deine Strahlen auf uns hernieder!
Ohne Dich ist das Leben rauh und wild;
Doch rauschet dein himmlich Gefieder,
Und breitest du schirmend es über uns aus,
Dann schiffen wir ruhig durch Nacht und Graus.