Der Schleier im Walde

F. Götzloff

Es ritt bei frühem Nebelgrau

Ein Jäger in den Wald.

Ehr kehrte heim im Abendthau

Nach seinem Aufenthalt.

Was sah er da?

Tirili, tirila!

Was glänzt so hell im grünen Hain?

Was blinkt an Stromes Lauf?

Ein Mädchen schleier weiss und fein,

Von Gold ein Krönchen drauf.

Was that er da?

Tirili, tirila!

Leis schlich er hin an Ufers Rand,

Und rührt den Schleier an.

"Was hat dir, Waidmann, mein Gewand

Und meine Kron' gethan?"

Was sah er da?

Tirili, tirila!

Die zart'ste Maid im Mondenschein,

Zwei Dirnchen wunderhold!

Sie strählten ihr die Härelein

In Zöpfe, hell wie Gold.

Was sagt' er da?

Tirili, tirila!

"Ach, allerschönstes Mägdelein!

Willst du die meine sein?"

"Soll Otterkönigs Töchterlein

Den grünen Waidmann frei'n?

Aha, ahi!

Tirila, tirili!"

"Wie stolz und höhnisch, kleines Ding,

So mild von mir begrüßt?

Ist dir der Jäger zu gering,

Der Fürst der Waldes ist?"

Was that er da?

Tirili, tirila!

Er nahm den Schleier und die Kron'

Und schwang sich in die Höh'.

Das nimm, du Spröde, dir zum Lohn!

Ade, Prinzeß, ade!

Ahi, aha!

Tirili, tirila!

Husch! taucht das flinke Nixchen-Chor

Hinab ins Wassers Schooß,

Und zischen schießt ein Heer hervor

Von Otter klein und groß.

Und was geschah?

Tirili, tirila!