Der Stern der Liebe
F. Götzloff
Ich stand am Bach, und schaute
Dem Spiel der Wellen zu;
Die leise Dämmrung graute,
Und duftig schwebten Wies' und Hain,
Geröthet noch vom Abendschein
Es zitterte die Weide,
Bewegt vom Lispelwind;
Erfüllt von süssem Leide,
Sang klagend in der Wiederhall,
Aus nahem Strauch die Nachtigall.
Und aus des Dunkels Grüften
Entstieg der Schatten Heer;
Es regt' in Säusel-Lüften
Sich klagender der Nachtgesang,
Und schneller floss der Bach entlang.
Da sprach es mir so schaurig
Aus meinem Herzen zu;
Das Leben flieht, und traurig
Umfängt uns, kaum zur Lust erwacht,
Der ernsten Schatten lange Nacht.
Mein Auge bang' und trübe
Ruht auf dem Wellenspiel;
Da ward der Stern der Liebe
Am blauen Himmel fröhlich wach,
Und blickte ruhig in den Bach.
Da ward dem Aug' es helle,
Da ward mein Herz so still;
Flieh, sprach ich, leichte Welle!
Es lacht dem Leben, schnell wie du,
Im fernsten Lauf die Liebe zu.