Die Quelle
F. Götzloff
Du liebliche Quelle, du wandelst dahin
In duftigen Schattengeweben,
Und weckest den sanften, melodischen Sinn
In meinem umnachteten Leben.
Wie krachend auch durch den vernichteten Wald
Der rasende Donnersturm wüthe:
Du wandelst, von ruhigen Tönen umhallt
Beweht von der rosigen Blüthe.
Ich trat aus des Lebens Vernichtung hervor
In deine geheiligten Schauer:
Da schwang das Gemüth sich begeistert empor
Aus Nächten der dunkleren Trauer.
Und drunten verhallte der kleinliche Laut
Der Erd', im Gewölke verborgen.
Den Sohn der Begeistrung, mit Göttern vertraut,
Erreichen nicht irdische Sorgen.
Du ließest auf deiner umdämmerten Bahn
Das Leben im Bilde mich sehen.
Ein Wellenspiel ist es, ein ewiges Nahn,
Und Fernen, und Kommen, und Gehen.
Und ob auch der Schatten des Ufers hinein
In deine Verklärungen falle:
So trägst du die Bläue des Himmels doch rein
Im tönenden, lichten Krystalle.
Dir gleiche, von Geniusblitzen erhellt,
Der Zögling der heiligen Musen!
Sein hoher Beruf ist: er trägt für die Welt
Den Himmel im tönendes Busen!
Es schattet die Welt sich nur leis in ihm ab;
Er giebt sie verherrlicht ihr wieder:
So wandelt er selig das Leben hinab,
Im Nachhall unsterblicher Lieder.