Winterskolie

F. Götzloff

Eine Stimme

Tief bedeckt liegt Hain und Feld

Von des Winters Hülle;

Auf der öden, todten Welt

Ruhet Nacht und Stille!

Klaget, Freunde, klagt! entflohn

Sind die Freuden alle schon!

Chor

Heil, Heil sei dem Winter, dem freundlichen Greis!

Er sammelt wie Kinder uns all' in den Kreis.

Zur trauteren Freundin rückt näher der Freund;

Drum lebe der Winter, der schöner uns eint.

Aus dem trüben Morgen brach

Kaum die Sonne wieder:

Ach! so sank am halben Tag

Sie schon bleich hernieder.

Auf der Erd' erst aufgewacht

Liegt die lange Winternacht.

Chor

Es berge die Sonn' auch ihr Antlitz der Flur;

Erhellet die Freude die Herzen uns nur!

Glänzt minder der Wein hier? Und strahlet uns nicht

Aus freundlichen Augen ein lieblicher Licht?

Von des Winters Eise schwer

Stehn die Ström' jetzt alle.

Keine der Naiaden mehr

Schwatzt im Wasserfalle.

Keines Vogels Lied erschallt,

Öd' und stumm ist Flur und Wald.

Chor

Es starre der Strom, es verstumme der Hain!

Uns sammelt zu süsser'm Geschwätze der Wein,

Gibt Flügel dem Witze, entflammet das Herz,

Und strömet in Lieder und fröhlichen Scherz.

Seht! umhüllt von Reif und Schnee

Trauern Weid' und Buche;

Todt liegt Halm und Gras und Klee,

Wie im Leichentuche.

Keine Blume blüht uns mehr,

Grab ist alles um uns her!

Chor

Es traure die Erde! -- Der helle Kamin

Flammt höher; und frischere Lilien blühn

Auf Wangen der Schönen, von Rosen umsprosst.

Und glüht uns nicht Bacchus? Nie frieret sein Most!

Aus des Nordens Eise fährt

Brausend durch die Felder

Hin der Sturmwind, und verheert

Lauben, Garten, Wälder.

Unter ihm entstirbt die Flur,

Schauer bebt durch die Natur!

Chor

Es stürme der Nordwind! wir füchten ihn nicht,

So lang' er nicht Flaschen und Gläser zerbricht.

Er rausche, beim hellen harmonischen Klang

Der Gläser, den Bass uns zu unserm Gesang!