Das bessere Land

F. Gumbert

Ich höre dich reden vom besseren Land,

Und glückliche Wesen nennst du die Seinen;

O Mutter! wo glänzt sein Uferrand?

Sollen wir es suchen und nimmer weinen?

Ist's, wo die Orangen blumig blüh'n,

Und die Feuerfliegen durch Myrtenlaub ziehn?

-- Nicht dort, nicht dort, mein Kind!

Ist's, wo die gefiederten Palmen stehn

Und die Dattel reift unter sonnigen Höh'n?

Ist's mitten auf Inseln mit funkelnden Seen,

Wo die Wälder Düfte die Lüfte um weh'n,

Wo der schimmernden Vögel bestirnte Schwinge

Geschmückt mit den Farben der herrlichsten Dinge?

-- Nicht dort, nicht dort, mein Kind!

Ist's ferne in einem alten Gefild',

Wohin über Goldsand die Flüße schwellen,

Wo die brennende Gluth des Rubinen spielt

Und mein Geheimniß Demanten erhellen,

Wo die Perle strahlt vom Corallenstrand?

Ist's dort, süße Mutter, das bess're Land?

-- Nicht dort, nicht dort, mein Kind.

Mein theures Kind! Kein Aug' hat's geseh'n,

Kein Ohr hat gehört seine Freuden schallen,

Kein Traum malt eine Welt so schön,

Und Sorge und Tod darf dorthin nicht wallen;

Die Zeit hauchte nie seine Blüthen ab,

Jenseits der Wolken und über dem Grab

-- Dort ist's, dort ist's, mein Kind!