Du liebes Aug', Du lieber Stern
F. Gumbert
Ich kenn' ein Auge, das, so mild,
Und glänzend wie ein Sternenbild,
Voll Huld auf mich hernieder sieht
Und mich hinauf zum Himmel zieht.
Dort prangt ein Stern so hell und rein
Wie jenes Auges Sonnenschein...
Du liebes Aug', Du lieber Stern,
Du bist mir nah' und doch so fern.
Dies Aug' ist süß und veilchenblau,
Drin spiegelt sich der Thräne Thau,
Und wenn ich dieses Auge seh',
Erfüllt mich Lust, erfüllt mich Weh.
Versenken möcht' ich mich hinein
Und dieses Auges Apfel sein...
Du liebes Aug', Du lieber Stern,
Du bist mir nah' und doch so fern.
Ich forsche nach der Sterne Lauf
Und schau' gar oft zum Aug' hinauf;
Dies Sternenaug', so hold und süß,
Ist meiner Erde Paradies.
Gern drückte ich voll Liebeslust
Den Augenstern an meine Brust!
Du liebes Aug', Du lieber Stern,
Du bist mir nah' und doch so fern.
Ich grüße Dich, ich küsse Dich
Du, Auge, leuchtest nur für mich;
Nur mir allein, nur mir allein,
Lacht dieses Sternes Silberschein.
Ihr seid mein Dioscurenpaar
Ich bet' Euch an das ganze Jahr!
Du liebes Aug', Du lieber Stern,
Du bist mir nah' und doch so fern!
Doch schließt einmal dies Auge sich,
Dann wird es nie mehr Tag für mich;
Wenn jener Stern mir nicht mehr lacht,
Dann ist ewig für mich Nacht;
Denn diese beiden Sterne hold
Sind Mondenglanz und Sonnengold...
Du liebes Aug', Du lieber Stern,
Du bist mir nah' und doch so fern!