Ich bin die Rose

F. Gumbert

Ich bin die Rose auf der Au,

Die still in Düften leuchtet;

Doch du, o Liebe, bist der Thau,

Der nährend sie befeuchtet.

Ich bin der dunkle Edelstein,

Aus tiefem Schacht gewühlet:

Du aber bist der Sonnenschein,

Darin er Farben spielet.

Ich bin der Becher von Krystall,

Aus dem der König trinket;

Du bist des Weines süßer Schwall,

Der purpur ihn durchblinket.

Ich bin die trübe Wolkenwand,

Am Himmel aufgezogen;

Doch du bist klar auf mich gespannt

Als bunter Regenbogen.

Ich bin der Memnon stumm und todt

Von Wüstennacht bedecket;

Du hast den Klang als Morgenroth

In meiner Brust erwecket.

Ich bin der Mensch, der vielbewegt

Durchirrt das Thal der Mängel;

Du aber bist's, die stark mich trägt,

Ein lichter Gottesengel.