Liebe lässt von Liebe nicht
F. Gumbert
Liebe lässt von Liebe nicht,
Ob sie schon mus weichen.
Selten daß ihr Trost gebricht
Hülfe zu erreichen;
Muß sie aus der Welt schon gehn,
Liebe bleibt bei Liebe stehn.
Liebste, muß ich mich mit dir
Jetzt schon traurig scheiden,
Will ich dich doch, meine Zier,
Wiedersehn mit Freuden;
Scheiden bringet Herzeleid,
Wiederkommen Trost und Freud'.
Wollten uns dann Neid und Qual,
Feind' und Freunde trennen,
Und wir sollten uns kein mal
Braut und Bräutgam nennen,
Soll mein Trost doch dieser sein
Daß ich sterben werd' allein.
Keine, wer sie immer sei,
Darf wohl nicht gedenken,
Daß sie mich in Lieb' und Treu
Wolle zu sich lenken.
Nein: ich sterbe schon allein
Soll ich ohn' dich, Liebste, sein.
Eine, das bist du, mein Lieb,
Die hab' ich erkoren,
Ob der Neid mich von dir trieb,
So ist je gebohren
Keine hie noch sonst wo nicht,
Der ich leiste meine Pflicht.
Unter dessen will ich dir
Leiden, sterben, leben,
Alles Leid, so über mir
Wird auf Erden schweben,
Soll mir Creüz ohn Creüze sein,
Eine Pein ohn alle Pein.
Thymioge, wie du heisst,
Edler Muth der Erden
Hiemit, hoff' ich, wird mein Geist
Dir bekannt nun werden,
Nimm doch an dies Unterpfand,
Meine Treu' und meine Hand.
Liebste, denke diesem nach,
Was du siehst geschrieben:
Wisse, daß kein Ungemach
Trenne wahres Lieben;
Liebe, die nicht ist erticht,
Sieht, noch hrört, noch gläubet nicht.