Mein Lied

F. Gumbert

Seit meiner Jugendzeit

Hab' ich in Freud' und Leid

'Nen lieben Freund,

Der mit mir lacht und weint;

Der Freund ist: mein Gesang,

Wie ich bald froh, bald trüb' und bang,

Den mir, der Alles lenkt,

So gütig hat geschenkt.

War oft von Sorge schwer, voll Zweifel mein Gemüth,

Treu blieb mir doch: mein Lied.

Und was mein Herz im Lauf der Stunden

An Liebesqual, und Liebeslust

So ewig wahr und treu empfunden,

Was ich verschloß in tiefster Brust,

Wonach ich rang in heißem Sehnen,

Bald hoffnungsreich, bald todesmüd',

Mein ganzes Sein in Glück und Thränen,

Das sprach: mein Lied! --

Und ist mein Haar ergraut,

Verhallt der Stimme Laut,

Wend' ich den Blick

Wohl oft nach heut' zurück,

Zu dieser Wonnezeit,

So reich an Huld und Seligkeit,

Und denk': das war so schön

Und mußte doch vergeh'n!

Dann wie ein süßer Trost durch meine Seele zieht,

Was heut' ich sang: mein Lied!