Nie doch vergisst das Herz den Traum der ersten Liebe

F. Gumbert

Weit, weit aus ferner Zeit,

Aus grüner Jugendwildniß

Grüßt mich in Lust und Leid

Ein wundersames Bildniß.

Wohl kenn' ich gut

Der Lippe Glut,

Die mit mir pflag zu kosen,

Das Auge so hold,

Der Locke Gold

Der Wange bleiche Rosen.

Denn ob in Kampf und Schmerz

Kein Hauch der Jugend bliebe:

Nie doch vergißt das Herz

Den Traum der ersten Liebe.

Spät nach des Tages Streit,

Wenn klar erglühn die Sterne,

Giebt's mir ein treu Geleit

In aller Näh und Ferne.

Ich lag bei Nacht

Wohl auf der Wacht,

Da stand es mit am Feuer,

Ich fuhr daher

Über's blaue Meer,

Und sah es ruhn am Steuer.

Denn ob in Kampf und Schmerz

Kein Hauch der Jugend bliebe:

Nie doch vergißt das Herz

Den Traum der ersten Liebe.

[Still wie ein schüchtern Kind

So] blickt's mich an durch Thränen,

Will seine Locken lind

An meine Schulter lehnen.

Es winkt so lieb,

Es singt so trüb

Von Zeiten, die vergangen;

Da schmilzt mein Sinn

In Heimweh hin,

Bin für und für gefangen.

Denn ob in Kampf und Schmerz

Kein Hauch der Jugend bliebe:

Nie doch vergißt das Herz

Den Traum der ersten Liebe.