Sage nur nicht, du liebst mich nicht
F. Gumbert
Ob ich dir glaube? Ob ich dir traue?
Ob auf dein Wort ich, dein flüchtiges baue?
Dir zu gehorchen ist lieblichste Pflicht,
Alles ja will ich dulden und tragen,
Aber nur Eines mußt du nicht sagen,
Eines, o Holdeste, glaub' ich dir nicht --
Sage nur nicht,
Sag' nicht, Geliebte, du liebtest mich nicht!
Seh' ich die stolze, die fürstliche Stirne,
Ob sie mir drohe, ob sie mir zürne,
Senke beschämt ich das Angesicht:
Aber die Augen, die treuen, die guten,
Trösten mich wieder mit zärtlichen Gluthen,
Sanft wie der Sterne versöhnendes Licht --
Sage nur nicht,
Sag' nicht, Geliebte, du liebtest mich nicht!
Kündest du Krieg mir, kündest du Fehde,
Strafest du laut mich mit zürnender Rede,
Steh' ich und zittre dem nahen Gericht:
Aber wie Rosen nach nächtlichem Regen,
Hauchet dein Mund mir Küsse entgegen,
Was auch die Lippe, die grollende spricht --
Sage nur nicht,
Sag' nicht, Geliebte, du liebtest mich nicht!
Siehe, schon senkt sich die dämmernde Stunde,
Still und vertraulich aus ewiger Runde
Gießet der Mond sein silbernes Licht!
Pochende Herzen! glühende Wangen!
Und von dem Arme der Liebe umfangen,
Birgst du erröthend dein süßes Gesicht --
Sagst du nun noch,
Sagst du nun doch,
Holde Geliebte, du liebtest mich nicht?!