Zerdrück' die Träne nicht
F. Gumbert
Zerdrück' die Thräne nicht in Deinem Auge,
Du hast die Thräne ja um mich geweint --
Vergönne, daß ich diese Perle sauge,
Daß sie mit meiner Lippe sich vereint.
Wie macht die Thräne Dich so engelschön!
Ich möchte Dich wohl ewig weinen seh'n. --
Allein die Thräne ist das Kind der Schmerzen,
Sie kommt aus Deiner gramerfüllten Brust, --
Wie konnt' ich über Deine Thräne scherzen,
Und wie sie seh'n voll grauenhafter Lust!
O, nimm mein Herzblut für die Thräne hin,
Und glaub', daß ich Dir ewig dankbar bin! --
Ich weiß, sie haben oftmals Dich gescholten,
Und Dir getrübt den engelreinen Sinn;
Doch hat ihr finst'rer Haß nur mir gegolten,
Weil ich Dir Werth, weil ich Dir theuer bin;
Wär' ich so schlimm, wie sie es oft gemeint,
Kein Engel hätte dann um mich geweint.
Gedulde Dich! Ich will die Thränen stillen,
Und ruh' indeß an meiner treuen Brust!
Die heil'gen Schwüre all' werd' ich erfüllen,
Und aus dem Schmerz entblüht Dir neue Lust.
O, weine nicht! -- An Gottes Traualtar
Flecht' Dir bald die Myrte in das Haar!