Die Stille

F. Hegar

Wie der Mond im Silberschimmer

feiernd durch die Lüfte schwebt!

Wie die Flut im Glanzgeflimmer

leis und leise abwärts bebt!

Stille herrscht in Waldesträumen,

Stille durch das holde Thal,

und die Seele fühlt einmal

Labung in den wachen Träumen.

Ist das Paradies versunken,

wo das erste Menschenpaar,

liebe-, wonn- und andachtstrunken

in der Stille glücklich war,

so gewährt des Höchsten Wille

vom entfloh'nen Unschuldsglück

einen Nachhall noch zurück

in der feierlichen Stille.

Da sind Gottes Athemzüge;

sie beschwichtigen das Herz.

Ahnung lenkt des Geistes Flüge,

Wonnethräne löst den Schmerz.

Leuchtendes vergangner Zeiten

baut sich auf in Nebelduft;

Stimmen flüstern durch die Luft

von dem Künftigen, dem Weihten.

Heil'ge Stille, kühle Quelle,

wonach mühevollem Tag,

lechzend in so linder Welle

müde Seele baden mag.

Nimm sie hin, sie will versinken,

decke sie mit Abendroth.

Süße Stille sei der Tod,

und Ermattung will ihn trinken.