Der Sprosser
F. Hensel
Was zieht mit leis' verklung'nem Beben,
was wallt mit weichem Flötenton,
als wollt' es auf zum Himmel schweben,
als trügen Engel es davon?
Das sind des Sprossers Liebesklagen,
es überströmt das kleine Herz.
Er hat nicht Worte, es zu sagen,
in Tönen spricht sein tiefer Schmerz.
Ich habe, Armer, dich verstanden:
Dem Liebchen galt der Sehnsucht Laut.
Auch meiner zieht nach fernen Landen,
doch hört ihn keine süße Braut!
Doch horch! Was jauchzt da in den Blättern,
was jubelt da aus voller Brust
und tönt mit immer heller'm Schmettern
in nie empfund'ner, sel'ger Lust?
Das sind des Sprossers Jubellieder,
es überströmt das kleine Herz,
es hallt die Luft in Tönen wieder,
sie ziehen dankend himmelwärts.
Du hast dein Liebchen nun gefunden,
sie hörte, holder Sänger, dich.
Ihr jubelt beide nun verbunden,
und ich - ich weine still für mich.