Die Kapelle

F. Hiller

Unter schattigen Bäumen steht

Eine freundliche Kapelle,

Doch die Frommen zum Gebet

Ruft kein Glöcklein silberhelle.

An der Mauer rankt empor

Epheu seine grüne Binde,

Und der Rosenstrauch am Thor

Neigt wie betend sich im Winde.

Vöglein flattern ein und aus,

Schweben auf und schweben nieder,

Singen durch das stille Haus

Ihre frischen, frommen Lieder.

Und die Sonne freundlich hell

Blickt durch bunte Fensterscheiben,

Predigt klar: „Der liebe Quell

Ist der Herr und wird es bleiben.“

Und vor meines Heilands Bild

Am Altare knie' ich nieder,

Und die heiße Thräne quillt,

Und der Friede kehret wieder.

Und im Herzen wird es laut:

Muthig, was der Herr auch sende;

Selig, wer auf ihn vertraut,

Gottes Lieb' ist ohne Ende!