Die lustigen Musikanten

F. Hiller

Da sind wir Musikanten wieder,

Die nächtlich durch die Straßen ziehn,

Von unsren Pfeifen lust'ge Lieder,

Wie Blitze durch das Dunkel fliehn.

Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es prasseln und rasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.

Die Fenster gerne sich erhellen,

Und brennend fällt uns mancher Preis,

Wenn wir uns still zusammen stellen

Zum frohen Werke in den Kreis.

[Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es prasseln und rasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.]

An unsern herzlich frohen Weisen

Hat nimmer Alt und Jung genug,

Wir wissen alle hinzureißen

In uns'rer Töne Zauberzug.

[Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.]

Schlug zwölfmal schon des Turmes Hammer,

So stehen wir vor Liebchens Haus,

Aus ihrem Bettchen in der Kammer

Schleicht sie, und lauscht zum Fenster 'raus.

Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern,

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.

Wenn in des goldnen Bettes Kissen,

Sich küssen Bräutigam und Braut

Und glauben's ganz allein zu wissen,

Macht bald es unser Singen laut.

Es sauset und brauset

Das Tambourin,

Es prasseln und rasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.

Bei stiller Liebe lautem Feste

Erquicken wir der Menschen Ohr,

Denn holde Mädchen, trunk'ne Gäste

Verehren unser klingend Chor.

Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud' und mit Schmerz.

Doch sind wir gleich den Nachtigallen,

Sie singen nur bei Nacht ihr Lied,

Bei uns kann es nur lustig schallen,

Wenn uns kein menschlich Auge sieht.

Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud' und mit Schmerz.

Die Tochter:

Ich habe meinen Freund verloren,

Und meinen Vater schoss man tot,

Mein Sang ergötzet eure Ohren,

Und schweigend wein' ich auf mein Brot.

[Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Sing und um Sang,

Um Kling und um Klang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.]

Die Mutter:

Ist's Nacht? ist's Tag? ich kann's nicht sagen,

Am Stabe führet mich mein Kind,

Die hellen Becken muß ich schlagen

Und ward von vielem Weinen blind.

[Es sauset und brauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Sing und um Sang,

Um Kling und um Klang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.]

Die beiden Brüder

Ich muß die lust'gen Triller greifen,

Und Fieber bebt durch Mark und Bein,

Euch muß ich frohe Weisen pfeifen,

Und möchte gern begraben sein.

[Es sauset und brauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.]

Der Knabe:

Ich habe früh das Bein gebrochen,

Die Schwester trägt mich auf dem Arm,

Aufs Tambourin muß rasch ich pochen –

Sind wir nicht froh? daß Gott erbarm!

[Es brauset und sauset

Das Tambourin,

Es rasseln und prasseln

Die Schellen drinn;

Die Becken hell flimmern

Von tönenden Schimmern,

Um Kling und um Klang,

Um Sing und um Sang

Schweifen die Pfeifen, und greifen

Ans Herz,

Mit Freud und mit Schmerz.]