Die Rheinmöve

F. Hiller

Du seliger Vogel in der Luft

schwebst über dem mächtigen Rhein;

du folgst der Stimme, die dich ruft,

und Land und Meer ist dein!

Dich lockt der nahende Sturm hinaus,

dich reizt der Wolken Gestalt,

und des Windes Stimm' und der Wetter Braus

zieh'n dich fort mit Zaubergewalt.

Dort oben ist es dumpf und schwül,

da kämpft ein arger Drang;

dort unten fließet rein und kühl

der Rhein sein Leben lang.

Dort oben wächst in dir die Glut,

da steigt in dir der Schmerz;

du stürzest hinunter in die Flut

und nimmst den Rhein ans Herz.

Wo ist für mich ein mächtiger Rhein,

an dem ich kühl' die Brust,

wo Well' auf Welle jagt die Pein

und Well' auf Well' die Lust?