Frühlingsaugen

F. Hiller

Wann im Lenz der blaue Himmel

Nachts sich schmückt mit seinen Sternen,

Daß sie, wie mit Liebesaugen

Sich in deine Seele saugen

Und dich winken zu den Fernen:

Hüte dich fein

In dem Lenzen

Vor dem Glänzen der Äugelein!

Kommt der Morgen, läßt den Blüthen

Lichte Perlen niederthauen,

Daß ihr Auge voller Thränen

Dir erweckt ein heimlich Sehnen,

Wann sie dir entgegen schauen:

Hüte dich fein

In dem Lenzen

Vor dem Glänzen der Äugelein!

Drauf, wann sich der Mittag breitet,

Und es schweigt in weiter Runde,

Und es flimmert auf der Welle,

Und es blicken wunderhelle

Augen aus des Wassers Grunde:

Hüte dich fein

In dem Lenzen

Vor dem Glänzen der Äugelein!

Und am Abend, und am Abend,

Wann in Gärten allerwegen

Holde Kinder sich ergehen

Und verstohlen nach dir sehen

Aus den grünen Laubgehegen:

Hüte dich fein

In dem Lenzen

Vor dem Glänzen der Äugelein!