Ich sah den Wald sich färben

F. Hiller

Ich sah den Wald sich färben,

Die Luft war grau und stumm;

Mir war betrübt zum Sterben,

Und wußt' es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude

Hertrieb das dürre Laub;

Da dacht' ich: Deine Freude

Ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,

Dein reicher Sommer schwand;

An die gefrorne Scholle

Bist du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares

Getön in Lüften hoch:

Ein Wandervogel war es,

Der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,

Das Lied ins Ohr mir kam,

Fühlt' ich's wie Trost mir dringen

Zum Herzen wundersam.

Es mahnt' aus heller Kehle

Mich ja der flücht'ge Gast:

Vergiß, o Menschenseele,

Nicht, daß du Flügel hast!