Ihr Rebengärten

F. Hiller

Ihr Rebengärten an den Klüften,

Ihr Nelken, die vom Fels ihr lauscht,

Wie habt ihr heut mit euren Düften

Mir rätselhaft den Sinn berauscht!

Durch all mein Wesen flutet wieder

Vergeßne Lust, erinnernd Leid;

Im Zwielicht kommt's auf mich hernieder

Wie Flügelschlag der Jugendzeit.

Mir ist, als rührte meine Wange

Ein Kuß von unsichtbarem Mund;

Da bäumt sich wild wie eine Schlange

Die Sehnsucht auf vom Herzensgrund.

Die Arme streck' ich voll Verlangen

Ins Dunkel, das mich heiß umgibt;

O komm, o komm, laß dich umfangen!

Wo bist du, Seele, die mich liebt?