Was der Frühling ist

F. Hiller

Der Frühling ist ein tapfrer, kühner Ritter,

Er kämpfte mit dem Winter harten Strauß,

Doch seine Wehr und seinen Speer bestritt er

Und schlug ihn keck zum weiten Reich hinaus.

Der Frühling ist ein arbeitsamer Schnitter,

Er mähete den Reif von jeder Flur,

Er schlug das Eis, wie dürres Reis, in Splitter

Und zeichnete durch Wirken seine Spur.

Der Frühling ist ein froher Hochzeitbitter,

Er ladet ein zum Feste freudiglich,

Er selber beut, er selber streut den Flitter

Und sein erfreuen alle Gäste sich.

Der Frühling ist auch Meister auf der Zither,

Er lehrt die Vöglein singen, groß und klein,

Auf grüner Au', im Wald und Laubengitter

Übt er tactirend seine Schüler ein.

Der Frühling ist, was Mondlicht beim Gewitter,

Das, wie es heißt, der Wolken Flor zertheilt;

Macht herbe Pein den Lebenswein dir bitter,

Hoff' auf den Lenz, der jede Wunde heilt.