An Hebe

F. Himmel

Hebe! sieh', in sanfter Feier

Ruht die schlummernde Natur;

Aus azurnem Wolkenschleier

Träufelt Stärkung auf die Flur.

Sie schlummern schon alle, die holden

Bewohner im Rosengesträuch;

Dort sinkt sie, die Sonne, wie golden

Sie malt sich im wallenden Teich.

Ach, so sinkt auch bald vergebens

Meiner Tage Licht hinab,

So verhallt der Ton des Lebens

Tief im schauerlichen Grab!

Ich wandle, seit du mich verlassen,

In Wildnissen, dunkel und dicht;

Die rosigen Wangen erblassen

Wie Lunens erbleichendes Licht.

Eine Rose wollt' ich pflücken

Einsam aufgeblüht am Bach,

Dir das schöne Haar zu schmücken,

Als ihr Dorn mich blutig stach.

O gliche dies Bild meinen Tagen!

Gern wollt' ich den blutigsten Stich

Der neidenden Dornen ertragen,

Sind nur alle Rosen für dich!