Das Höchste

F. Himmel

Schwämm ich in der ganzen Fülle

Süßer Freuden her und hin;

Hallten Naumanns sanfte Lieder

Mir von selgen Inseln wieder:

Eines fehlte meinem Sinn.

Strömten mir aus Reinhards Pinsel

Farben eines Götterhains,

Und die Schatten dunkler Bäume,

Voll entzückter Jugendträume;

Dennoch fehlte mir noch eins.

Und bevölkerte Canova,

Mit dem Glanz des Wiederscheins

Aus der goldnen Zeit der Alten,

Meinen Lustsitz mit Gestalten:

Immer fehlte mir noch eins.

Deckten Wissenschaft und Künste

Mich mit ihren Kränzen zu;

Schmachten würd' ich im Genusse,

Darben selbst im Überflusse;

Eins noch fehlte meiner Ruh'.

Würde mir das schönste Tempe,

Reich an Lieblichkeit, zu Theil,

Wo sich Ruh' und Reitz vermählte:

Alles hätt' ich: doch es fehlte

Noch das Höchste meinem Heil.

Ach! ein Herz, das mich verstände,

Fehlte meiner Lebensruh'!

Nicht Natur, nicht Kunst der Musen

Flüstert dieser Stimm' im Busen

Eine süße Antwort zu.