Die unsichtbare Welt
F. Himmel
Wenn im Hauch der Abend kühle
Hell der Tau am Halme bebt
Und mit sanfterem Gefühle
Jede Menschenbrust sich hebt:
Dann, o wie labend,
Dämmernd erhellt,
Weihst du den Abend,
Heimliche Welt.
Wenn in hohen Sterngefilden
[Sich, in wolkenloser Pracht,
Funkelnd stille Lichter bilden],
Goldglanz streuen durch die Nacht:
Still wie der Weihe
Heiligkeit, thront
Dann in der Bläue
Silbern der Mond.
Welch ein leuchtendes Geflimmer
Blinket durch den Birkenhain!
Würmchen weben ihren Schimmer
In das Nachtgemäld' hinein.
O wie so stille
Schweigt die Natur!
Nur noch die Grille
Tönt durch die Flur.
Und der Geist vom Erdenschleier
Kaum gehalten, fliegt empor
Von dem Staub und fühlt sich freier,
Eilt schon der Vollendung vor.
Kommt aus der Höhe,
Hoffnung und Mut,
Wohl oder Wehe -
Alles ist gut.
Muth entführt dem Geist den Thale
Der verworrnen Dunkelheit;
Hoffnung träufelt in die Schale
Seines Lebens Heiterkeit.
Schatten verschweben,
Freundlich erhellt,
Weihst du das Leben,
Heimliche Welt.