Hessens Söhne und Preußens Töchter
F. Himmel
Recitative
Triumph! ihr treuverbundnen Lande!
Triumph! Es floh mit ihrem Fackelbrande, mit ihrem blut'gen Schwerdt,
Des Kriegesfurie den väterlichen Heerd.
Ach, unsre Herrscher sahn im fremden Sande
Der tapfren Brüder Blut,
Sie hörten bei verbrannter Hütten Glut,
Der Mütter und der Säuglinge Gewimmer,
Und -- Dank dem Herrn -- Sie hassen Tod und Trümmer,
Sie schaffen in Elysium
Die Wüsten um.
SYSTEMArie
Lieb' und Friede thronen nun,
Töne laut, du Lied der Sphären,
Unserm Herrscher-Paar zu Ehren,
Lieb' und Friede thronen nun,
Lieb' und Friede thronen nun.
Wenn sich jetzt die Tapfren gürten,
Ist kein Schwert von Blut bethaut.
Wo der Adler Flügel schwirrten,
Tönt nun süsser Flötenlaut.
Bei dem Öhlbaum wachsen Myrthen,
Schöner für den Kranz der Braut.
Es lebe die Liebe,
Die selige Ruh';
So flötet das Echo
Vom Himmel uns zu.
Es lebe die Liebe,
Die selige Ruh'.
Was seh' ich?
Warum zittert die Thräne dir die Wange nieder?
Ist nicht Augustens Fest?
Verkündet Wilhelms Herz, -- dies Herz voll hohen Adels, voll reiner heisser Zärtlichkeit --
Ihr nicht ein schönes Loos in Hessens Fürstenstadt?
Wo ein geliebter Vater thronet?
O neide uns die Königstochter nicht,
Die unsre Flur mit Preussens Kronenglanz
Und ihres Geistes sanfter Tugend schmücket.
Ihr huldigt Hessens Land.
Wo Sie einst wallt, da gehn ihr alle Herzen
In treuer Lieb und Ehrfurcht nach --
O Mädchen weine nicht!
SYSTEMArie
Freundin sie in sanfter Feier
Ruht die schlummernden Natur.
Aus azurnem Wolkenschleier
Träufelt Stärkung auf die Flur.
Sie schlummern schon alle die holden
Bewohner im Rosengesträuch.
Dort sinkt sie die Sonne, wie golden,
Sie mahlt sich im wallenden Reich.
Ach, so sinkt auch bald vergebens
Meiner Tage Licht hinab:
So verhallt der Ton des Lebens
Tief im schauerlichen Grab:
Ich wandle seit du mich verlassen,
In Wildnisse dunkel und dicht.
Die rosigen Wangen verblassen,
Wie Lunens verbleichendes Licht.
Eine Rose wollt' ich pflücken,
Einsam aufgeblüht am Bach,
Dir das schöne Haar zu schmücken,
Als ihr Dorn mich blutig stach.
O gleiche dies Bild meinen Tagen,
Gern wollt ich den blutigsten Stich
Der neidenden Dornen ertragen,
Sind nur alle Rosen für Dich.
O Jüngling, wenn des Auges Licht
Durch Thränen dir entgegen dämmert,
So fliessen sie der sanften Wehmuth nur;
Nur jenem grossen Wunsch, und jenem süssen Hoffen,
Die Huldin aus des Königs Stamm,
Der unser Vater ist, zu seines Herzens Lust,
Reich an des Lebens Heil zu sehen.
Sie wird der Heimath süssen Frieden,
Das stille Glück in elterlichem Schooss,
Und der Geschwister Lieb', auf jenen Fluren finden,
Wo Biederkeit, wie bei den Brennen wohnt.
Wenn Hessens theurer Fürst an seine Brust voll Liebe
Die edle Königstochter drückt,
Die gern in ihm den zweiten Vater küsset.
O welch ein rührendes und deutungsvolles Bild!
Hier fallen zwei verbündete Nationen,
Reich durch die Väter auf den Thron,
Durch gleiche Tugenden verschwistert
Sich an die treue Brust, und segnen ihr Geschick.
Lieben, und in Liebe leben,
O ihr Lieben, das ist schön!
Liebe hat uns Gott gegeben
Unser Leben zu erhöhn.
Liebe tröstet uns im Leiden,
Liebe gibt uns hohen Muth,
Feine Sinnen, rechte Freuden,
Süsse Sorgen, frisches Blut.
Frühlingssonne sieht man scheinen
In dem Winter, wenn man sieht
Wie zwei Herzen sich vereinen,
Und wie eins das andre zieht,
Sommersonne sieht man scheinen
Wenn man Lieb' an Liebe sieht
Und auf Fluren und in Hainen
Singen wir das Liebeslied.
Segen dem glücklichen Paar!
O das Entzücken des reizenden Bandes
Werde die Sage des biederen Landes,
Welches den edelsten Prinzen gebahr.
Segen dem glücklichen Paar.