Abschied

F. Hinrichs

Letzter Blick und letzter Gruß,

Herz, wer kann es fassen?

Letzter Seufzer, letzter Kuß,

Und dann dich verlassen:

Lassen dich aus diesem Arm,

Der dich oft umfangen

In der Mainacht lind und warm,

Da die Knospen sprangen!

Lassen dich von dieser Brust,

Die mit heißen Schlägen

In unendlich süßer Lust

Deiner schlug entgegen:

Aus dem Auge lassen dich,

Sonne mir und Leben,

Und in finstre Ferne mich

Freudelos begeben!

Aber aus der Seele, nein!

Nicht aus meinem Herzen!

Das ist Balsam in der Pein,

Das ist Trost in Schmerzen:

Daß, wie auch die Tage sich

Rasch und wechselnd treiben,

Ewig dennoch du und ich

Ewig wir uns bleiben.

Können meine Arme sich

Nicht mehr um dich ranken,

Halten doch umklammert dich

Sehnende Gedanken,

Und dem Aug' entschwunden zwar,

Glänzt doch alle Stunde

Mir dein Bildniß hell und klar

In des Herzens Grunde.

Letzter Blick und letzter Gruß,

Herz, wer wollte weinen?

Einen Blick noch, einen Kuß

Und noch einmal einen:

Bleibst du mir und bleib' ich dir,

O so ist's kein Leiden,

Bleib' ich dir und bleibst du mir,

O so ist's kein Scheiden!