Der Kaiser

F. Ippisch

Auf seinem Thron von neuem Golde sitzt

Der Sohn des Himmels, funkelnd von Geschmeide,

Die Mandarinen hocken um ihn her.

Er glänzt wie eine Sonne unter Sternen,

Die Mandarinen reden ernste Dinge

Mit ernstem Mund und ernst erhobner Hand.

Des Kaisers Sinn ist durch das offne Fenster

Enteilt: dort ruht die Kaiserin, die holde,

In ihrem Pavillon aus Porzellan.

Gleich einer Blüte, wundervoll entfaltet

In zartem Laubwerk: also ruht sie wartend

Unter den jungen Damen der Begleitung.

Sie findet, daß ihr Liebster allzulange

Im Rate weilt. Voll Ungeduld und Sehnen

Bewegt sie ihren Fächer hin und her.

Da trifft ein Hauch von süßen Wohlgerüchen

Mit weichem Flügelschlag des Kaisers Antlitz,

Und voller Unruh fühlt er nur noch dies:

"Mein schönes Weib schickt mir mit ihrem Fächer

Die Düfte ihrer Lippen, die ich liebe..."

Und er erhebt sich, schimmernd von Geschmeid,

Und richtet seine Schritte der Behausung

Der Gattin zu... Die Mandarinen starren

Einander an, verwundert, fassungslos.