Die Abendglocke

F. Jähns

Riefest du auch dießmal wieder

Wach in mir das stille Weh',

Du mit deinen frommen Klängen,

Abendglocke über'm See?

Ist mir doch als hätt' ich nimmer

Noch gehört so süßen Schall,

Daß sogar das Herz im Busen

Zitternd gibt den Wiederhall.

Wohl zu einem fernen Herzen

Drängt mich hin mein stilles Weh',

Könnt' ich zieh'n mit deinen Klängen,

Abendglocke, über'm See!

Könnt' ich zieh'n zu jenem Herzen,

Das nun auch dieß Weh' berührt,

Und der Schall der Abendglocke

Träumend in die Ferne führt.

Könnt' ich nur so lang verweilen

Dort bei ihm mit meinem Weh',

Als dein frommes Läuten schallet,

Abendglocke, über'm See!

Aber wie des Himmels Rosen

Sich verbleichen mehr und mehr,

Schwinden auch die süßen Träume

In ein nebeldüst'res Meer.

Eins nur bleibt noch wach im Herzen,

Und dieß ist mein stilles Weh',

Wenn auch längst dein Schall verklungen,

Abendglocke, über'm See!