Herr Olaf

F. Joetze

Was gehst du, Herr Olaf, so ganz allein

In den dunklen Wald beim Mondenschein?

Hörtest du von dem Mädchen nicht,

Das einsam wandelt im Mondenlicht?

Mit weißem Leib und süßem Kuß,

Und wer sie begegnet, sterben muß. --

Der Wald ist tief, die verschlaf'nen Fichten

Flüstern und träumen von alten Gesichten. --

Herr Olaf wandelt mit traurigem Sinn

Auf einsamem Pfad zu den Tannen hin.

Da flüstern im Grunde die Tannen leis',

Und es huscht durch die Zweige schneeigweiß;

Herr Olaf lauscht mit süßem Beben

Und sieht heran das Waldkind schweben:

Den Nacken von goldigen Locken umwallt,

Ein Schleier verhüllt die süße Gestalt. --

So steht sie vor ihm, stumm und bleich,

Im Auge meertiefes Himmelreich.

"Und wenn ich verderben und sterben muß!

Ich trinke vom Munde dir süßen Kuß!"

Herr Olaf rief's mit heißem Begehren: --

Nie sahen die Menschen ihn wiederkehren.