Frühlingswonne
F. Kirchhof
Frühlingslüfte säuseln milde
Über blühende Gefilde,
Balsam spendet jeder Hauch.
Süßen Klang der Nachtigallen
Aus dem Haine hört man schallen,
Und um jeden Baum und Strauch
Wogt ein reiches, frohes Leben,
Worin Bien' und Vöglein schweben.
Auf den Wellen ziehen leise
Schwäne ihre Silberkreise,
Und die Sonne ohne Glut
Taucht sich in die kühle Flut.
Ach, wo finden diesen Frieden
Wir im Menschen wol hienieden? --
Von den vielen Millionen,
Die auf unserm Erdball wohnen,
Wahrt kaum Einer ihn der Brust.
Aber dessen ganzes Leben
Gleicht des Himmels ew'ger Lust.
Milde verschweben,
Friedensbewußt,
Wird dereinst das Kind vom Frieden.
Selig, wem dies Loos beschieden! --
Doch im Sturme untergehen
Muß der Stürme wildes Kind.
Hörst du's durch den Eichwald wehen?
Das ist nicht der Abendwind. --
Siehst den Himmel du in Gluten?
Das ist nicht der Sonne Licht. --
Und die wilden Wasserfluten,
Segen bringen diese nicht.
Vor des heißen Tages Flammen
Sinken Blum' und Blatt zusammen,
Und das Wen'ge, was geblieben,
Wird vom Wirbelwind vertrieben.
Dann wird's Nacht,
Wenn Zerstörung ist vollbracht.
Und aus ungemeßner Ferne
Schauen drein die heil'gen Sterne,
Und das Auge Gottes wacht.
Doch im Menschen bleibt die Spur
Der verwüsteten Natur,
Wenn wir ihn auch nicht mehr sehen,
Zephyr' um die Stätte wehen,
Blumen duften süß und lind -- --
Doch im Sturme untergehen
Muß der Stürme wildes Kind.