Herzens Wünsche

F. Kücken

O wär' ich doch des Mondes Licht!

Dann könnt' ich sie begrüßen;

Ich wich' von ihrem Fenster nicht,

Und dürfte still sie küssen.

Tief in die Augen würd' ich blicken,

Voll reinem, seligen Entzücken,

Und wenn der Morgen wär' ergraut,

Dann hätt' ich sie noch ein Mal angeschaut.

O wär' ich eine Nachtigall!

Ihr wollt' ich leise klagen

Der Sehnsucht Schmerz, mit süßem Schall

Nach ihrer Liebe fragen.

Dann säng' ich in den hellsten Tönen

Die hohen Reize meiner Schönen;

Ich eilt' ihr nach in Flur und Hain -

Ihr könnte nah der treue Sänger sein.

O wär' ich eine Rose schön!

Wie gern wollt' ich sie schmücken!

Ich würd' in ihrem Garten stehn,

Bis sie mich thäte pflücken;

Sie würde dann an's Herz mich ziehen,

Und ihr am Herzen ich verblühn. -

O höchste Wonne, sel'ge Lust, -

Zu sterben an der heißgeliebten Brust!