Der Lauscher
F. Kunzen
Ihr Büsche, die ihr mich versteckt,
Wo sie mein Blick erreichet,
Rauscht nicht, damit sie nicht entdeckt,
Daß Liebe sie beschleichet.
Und du, steh' meinem Vorwiz bei,
Du Gott der Liebesgötter:
Daß ich durchs Laub ganz Auge sey,
Verkläre Zweig' und Blätter.
Gewährt sich mir mein Wunsch so schnell?
Ist's Traumbild? Ist's Entzücken?
Welch Schauspiel, so ganz wahr, so hell,
Enthüllt sich meinen Blicken?
Ich sehe Götterchen der Lust,
Gleich kleinen Schmetterlingen,
An ihrem Hals, um ihre Brust,
Im Busenschleier ringen.
Sie schaukeln und verwickeln sich
In des Gewandes Falten,
Und flattern drinn, als ob, für mich
Die Durchsicht aufzuhalten.
Kaum lächelt sie dem Scherz, alsbald
Hüpft er in beide Grübchen;
Und wo nur eine Locke wallt,
Schwebt gleich ein Liebesbübchen.
Drei Götter glitschen an dem Kinn,
Fünf kollern um die Wette
Vom glatten Hals noch tiefer hin
Entlang des Busens Glätte.
O kleiner Schwarm, wie wohl ist dir
Bei dieserlei Gefährden!
O gönnte mein Verhängnis mir,
Wie du mich zu gebährden!