Die Näherin
F. Kunzen
Fleißig immer sein,
Ziemet wackern Mädchen!
Flink genäht und fein,
Knöpfchen, Säum' und Näthchen!
Wenn ich eher fertig bin,
Heiß' ich eure Königin!
Aus dem Schlaf gekräht
Nähn wir, was wir können
Unser Licht noch spät
Sieht der Wächter brennen.
Dann im Bett' uns lang gestreckt,
Bis der Hahn von neuem weckt!
Schelm, wer überkuckt,
Oder Possen tieibet!
Schelm, wer schläfrig duckt,
Und die Hände reibet!
Wer sogar durchs Fenster schaut,
Werd' im ersten Jahr nicht Braut!
Wem die Nadel brach,
Flink zur Nadelbüchse!
Scheint zu los' und schwach
Dein Gespinnst, so wichse!
Wenn sich's drall zusammen krollt,
Nur ein wenig aufgerollt!
Beiße nicht den Drath!
Nach der alten Lehre:
Wer zu schneiden hat,
Schneide mit der Scheere!
Beißen ist ja ungesund,
Schändet auch die Zähn' im Mund!
Was sie eifrig schilt
Mit dem armen Zwirne!
Künftig selbst getrillt
Deinen Knaul, du Dirne
Wer was gutes will und kann,
Greist die Arbeit selber an!
Eins noch sag' ich euch:
Nicht zu lange Fädchen!
Sonst erschalle gleich:
O du faules Mädchen!
Heda lustig, Stich um Stich!
Wollt ihr besser sein, als ich?