Über Berge, über Fluthen

F. Kunzen

Über Berge, über Fluthen,

Bricht sich Liebe kühn die Bahn!

Über Eis und über Gluthen

Drängt sie feurig sich hinan.

Liebe fliegt durch ganze Heere

Zum geliebten Gegenstand,

Drohten ihr auch Erd' und Meere

Nichts als Tod und Untergang.

Auf die höchste Felsenspitze

Macht sich Liebe kühn die Bahn;

Hoch empor zum Göttersitze

Schwingt sie feurig sich hinan.

Liebe reißt mit kühnen Händen

Selbst das Buch des Schicksals auf;

Wagt es, seinen Gang zu wenden,

Und zu hemmen seinen Lauf.

Selbst der Wurm im Erdenstaube

Kennt der Liebe Hochgebot;

Selbst der Löwe läßt vom Raube,

Ruft sie zu Gefahr und Tod.

Alles, was auf Erden lebet,

Wirbelt sie in ihre Bahn,

Alles, was in Lüften schwebet,

Ist der Liebe unterthan.