Der Sänger und die Hirtin

F. Lachner

Der Sänger

Du pflückest so schöne Blumen,

du windest Kränze, mein Kind;

o sage, für wen die Blumen,

für wen die Kränze sind!

Die Hirtin

Ich pflücke sie mir zur Freude,

hab' keinen Zweck dabei,

und wüsst' ich, wen sie erfreuten,

ich gäbe sie ihm ohne Scheu.

Der Sänger

So sing' auch ich meine Lieder,

wie's eben ums Herz mir ist;

ist Niemand, den es erfreuet,

ist Niemand, den es verdrießt.

Die Hirtin

Wohl schöner noch klängen die Lieder,

verwandtem Herzen vermeint.

Der Sänger

Wohl schöner noch ließen die Blumen,

gewunden für einen Freund!

Die Hirtin

Wem soll ich die Kränze winden?

Der Sänger

O winde sie, Kind, für - mich!

Die Hirtin

Und wenn ich die Blumen dir pflücke -

Der Sänger

So klingt meine Zither für - dich!

Beide:

Wohlan! So umschlinge die Herzen

ein Band denn zu Freud' und Leid;

es ward aus Blumen gewunden,

es ward durch Lieder geweiht!