Der Sturm
F. Lachner
Sturm im Wald ist hohe Lust
für des Jägers off'ne Brust;
wenn der Sturm die Zweige schüttelt,
Gelbes ab vom Grünen rüttelt,
was den Wurm des Moders trägt,
auf das Bett der Erde legt
und den Samen weit umstreuet,
dass Gefall'nes sich erneuet,
ha! dann waltet hohe Lust
in des Jägers off'ner Brust.
Sturm im Meer ist höh're Lust
für des Seemanns kräft'ge Brust;
wenn am Schiff die starken Wellen
sich zu mattem Schaum zerschellen,
wenn es tanzend steigt und fällt,
dennoch Mast und Segel hält,
fauler Nebel sich zerstöret
und die Klarheit wiederkehret,
ha! dann schallt des Seemanns Lust
aus der lebenskräft'gen Brust.
Sturm im Kampf die höchste Lust
für des Kriegers Felsenbrust;
wenn zu blanker Säbel Blitzen
rollt der Donner von Geschützen,
die Kolonne vorwärts dringt,
dorthin, wo die Mine springt,
Alles dann wallaufwärts strebet,
sein Panier am Ziel erhebet,
ha! das ist die höchste Lust
für des Kriegers Felsenbrust.
Sturm im Geist, von Götterlust
schwillt des Denkers heiße Brust.
Auch der Geist wirft das Verjährte,
das Vertrocknete, zur Erde,
steuert mit der Wahrheit Schiff
durch des Truges Felsenriff,
und am Ufer sieht er Höhen,
reich geschmückt mit Sieges Trophäen.
Sturm im Geist: Des Denkers Brust
schwillt in sel'ger Götterlust!