Der Wanderer in den Alpen

F. Lachner

Einsam wandl' ich meine Wege

wie ein scheuer bleicher Geist

Bis zur Stunde die mich endlich,

die mich endlich ruhen heisst.

Achtlos durch die grauen Nebel

schreit' ich meine schmale Bahn.

Renn' ich auch in mein Verderben

sey's gethan, sey's gethan.

Tief hinab ins Nest des Schwindels

schau' ich keck in guter Ruh,

will erfassen mich im Wirbel,

greif' er zu, greif' er immer zu!

An dem lang erbrobten Stabe

schwing' ich mich von Stein zu Stein;

bricht dann auch der treugeglaubte

mag's d'rum seyn, mag's d'rum seyn!

Über Strom und Abgrund spannet

zitternd sich der schmale Steg,

stürtzt vielleicht mit mir zusammen,

drüber weg, drüber weg,

hoch ob mir am blauen Gletscher

donnert dumpfig die Lawin'

kommt, vielleicht mich zu zerschmettern,

immerhin, immerhin.

Einsam wandl' ich durch die Berge,

durch die Thäler wie ein Geist

bis zur Stunde, die mich endlich,

die mich endlich ruhen heisst.