Die Liebende
F. Lachner
Einst ging ich so traurig
im blühenden Mai,
es zogen die Winde
und Vögel vorbei,
die Wolke, sie jagte,
der Bach floh geschwind,
und keines, ach, fragte:
„Was fehlt dir, mein Kind?“
Wie ist alles nun verschieden
seit ich ihn gefunden,
und der Liebe Himmelsfrieden
selig uns verbunden!
Tausend Stimmen, süß zu lauschen
still entzücktem Ohre,
Hör' ich durch die Gipfel rauschen
im geheimen Chor.
Heiter umlächelt mich
blühende Welt,
Zephir umfächelt mich,
Rosen gesellt.
Sonne und Mondenlicht,
Wolke und Welle spricht
leise und lind:
Herzlich sei uns gegrüßt,
weil du so glücklich bist,
liebendes Kind!