Die Rose

F. Lachner

Dicht in Blättern eingeschlossen

Ruht der Knospe stiller Traum,

Und von Himmelsglanz umflossen

Fühlt sie noch das Leben kaum.

Bis durch Lenzes laue Düfte

Leben kehrt in jede Brust,

Und die Lieder reichen Lüfte

Künden die erwachte Lust.

Da löst sich mit Lieb' und Bangen

Blatt von Blatt: das Leben schwillt

Und genährt vom Gluth Verlangen

Sich der süße Reiz enthüllt.

Glänzend, mild, in Unschuld Hülle

Steht die Rose, hochgeschmückt,

Und der Düfte süße Fülle

Trinkt die weite Luft entzückt.

Sieh'! dann steht der Sänger Ferne,

Wenn dich ruft ein hohes Glück,

Aber wie am schönen Sterne

Weilt an Dir stets Herz und Blick.