Nachtigall
F. Lachner
Der Liebe Schmerzen weinen durch die Nacht,
Wenn Ruhe waltet und Selene wacht,
Die leisen Laute, die der Brust entflieh'n,
Sie zieh'n verstanden durch die stillen Lüfte hin.
Da horch! Ertönt der Ruf der Nachtigall:
Zum Schlag verstärket sich der schwache Schall,
Er steigt, er fällt, er hebt sich und zerfliesst
Bis er, erneuet, sich in einem Ton ergiesst.
Ein Ton, gemischt aus Schmerz und Lust,
Zu mächtig fast für seines Sängers Brust;
Die Kehle, die ihn singt versteht ihn nicht:
Ihn fühlt die Menschenbrust der er gebricht!
D'rum Nachtigall der Liebe Vogel ist:
Der Liebe, der des Schmerzens Träne fliesst,
Wie jener, die vom sel'gen Glück berauscht,
In des Besitzers Lust dem süssem Tone lauscht.