Seebild
F. Lachner
Mild leuchten Mond und Sterne
den Liebenden im Kahn,
die Ufer rücken ferne,
es dringt kein Laut heran.
O zauberhaftes Leben
der Mondnacht auf dem See!
Und ach, zwei Herzen beben
im süßen Liebesweh'!
Es geht im Schilf ein Säuseln,
es nickt dem Kahne nach,
des Ruders sanftes Kräuseln
schlägt jetzt die Fischlein wach.
Die meinen, holdes Wunder!
von Rosen sich umbaut,
weil in den See hinunter
ein Wangenpaar geschaut.
Wie Lispel holden Reimes
erklingt es fort und fort.
Hat Mond und See Geheimes?
Ist's Lippenkuss und Wort?
Sind's Lüfte, die sich küssten?
Gekos' von Well' und Licht?
Die Glücklichen, die's wüssten,
die beiden sagen's nicht!